FANGCLUB im Soundcheck | Unter Geiern

Band: Fangclub / Album: Vulture Culture / Genre: Alternative Rock, Grunge / Release: 2019 / Label: Universal Music Ireland Ltd.  / Anspiel-Tipps: Last Time, Black Rainbow, All I Have, Kingdumb

Das Album Cover zu Fangclubs "Vulture Culture"
Das Cover zum neuen Album von Fangclub: „Vulture Culture“

Fangclub sind eine DIY-Band aus Überzeugung

Seit 2013 sind die drei nimmermüden Iren nun als „Fangclub“ unterwegs. Die Band verfolgt dabei seit ihrer Gründung einen klaren „Do-it-yourself“-Ansatz und das nicht, weil sie es müssen, sondern weil sie es wollen. Das haben sie kurz vor dem Release ihres zweiten Full-Length-Albums „Vulture Culture“ noch mal nachdrücklich über ihren bandeigenen Twitter-Account betont. In diesem Tweet gab die Band einige Hintergrundinfos und Trivia bekannt. Drummer Dara kümmert sich zum Beispiel um das komplette Tour-Booking. Bassist Kevin ist immer auf der Suche nach neuen Support-Bands. Sänger und Gitarrist, Steven, ist nicht nur Haupt-Songwriter, sondern kümmert sich auch um fast alle Designs auf CDs, LPs, sämtlicher Werbung und Merchandise-Artikeln. Die Bandmitglieder betreiben zudem ein eigenes Label namens „Headwire“, auf dem sie jungen und aufstrebenden Bands helfen, ihre Musik zu promoten. Alles frei nach dem Motto „If you love it do it yourself! ”.



Lieder über eine düstere Zukunft im Rocksound der Neunziger Jahre

Nach drei EPs („Bullet Head“, „Coma Happy“ und „True Love“) und einem selbstbetitelten Debüt-Album folgt nun also der zweite Longplayer „Vulture Culture“. Erschienen ist das Album, wie schon sein Vorgänger, auf Universal Music Ireland. Wie die Band in oben genanntem Tweet auch mitteilte, unterstützt sie das Label in hohem Maße in ihrem DIY-Ansatz. Universal ließe ihnen viele Freiheiten und helfe sehr dabei ihre Musik so weit wie möglich unter die Leute zu bringen. Ein kleiner Reichweiten-Multiplikator also, der es Fans ermöglicht, die Fangclub-Alben auch in weit entfernten Plattenläden aus dem Regal zu fischen.

Mit einer Gesamtspieldauer von einundvierzig Minuten und insgesamt elf Tracks dauert „Vulture Culture“ ganze acht Minuten länger als sein Vorgänger. Diesen bezeichnete die Band selbst noch als „Liebesbrief an all ihre Lieblingsbands“ und das hörte man auch sehr deutlich. Das Album zitierte sämtliche Grunge- und Alternative-Ikonen der Neunziger, ließ aber bereits eine eigene Note erkennen. Mit „Vulture Culture“ lösen sich Fangclub nun weitestgehend von den Zitaten, jedoch ohne dabei ihren Stil zu verlieren. Der Sound klingt deutlich reifer und das Album folgt einer klaren Linie. Dabei dient der Name „Vulture Culture“ nicht nur als „catchy“ Album-Titel, er ist vielmehr als Überschrift einer Geschichte zu verstehen. Einer dystopischen Endzeit-Vision, voller Betäubung, Selbstzerstörung und „zombifizierenden“ Medien.



Beginnen wir doch mal mit dem Ende der Geschichte

Für ein derart gitarren-lastiges Rock-Album beginnt „Vulture Culture“ mehr als untypisch. Der Opener, „Last Time“, wirkt wie eine Prolepse, die uns schon zu Beginn ein ungutes Ende der Geschichte vermittelt. Mit gehauchtem Gesang auf milden Saiten-Zupfern, führt uns der Song langsam in das Album ein. Erst nach der Hälfte seiner über sechs Minuten Spielzeit nimmt er schließlich richtig Fahrt auf. Dabei klingt „Last Time“ wie die romantischen letzten Worte des Protagonisten, der einer großen Katastrophe und ihrem nahenden Ende entgegen blickt. Mit dem „Kingdom Emergency Broadcast“-Einspieler am Schluss des Songs ist nun endgültig klar, dass dieses Album kein optimistischer Blick in die Zukunft ist.

Danach wird es deutlich lauter als noch beim Opener. Steven King zeigt immer wieder, dass er seine Gitarren-Riffs nicht nur für eingängige Melodien zu nutzen weiß. Der titelgebende Song, „Vulture Culture“, klingt wie der Einmarsch einer Parade, die nichts Gutes einläutet und legt die Rahmenbedingungen in Sachen Storytelling klar fest:

„We live and die in a vulture culture – we crucify anyone we hunger – gemini and a broken brother – we live and die, my friend”

Auch die Folgetracks zeichnen das Gesamtbild der „Vultrue Culture“ zielgerichtet weiter. Betäubung gegen den Schmerz, Ablenkung gegen das Elend, Abstumpfung gegenüber Gewalt. Jeden Tag und immer weiter, bis alles und jeder in sich zusammenbricht. Die erste Single-Auskopplung „Hesitations“ ist eine schöne Zusammenfassung des Albums und gleichzeitig der stimmungsmäßige Tiefpunkt. Ein Sound, der eine unendliche Schwere in sich trägt und Worte, die das eigene Verschulden an der Gesamtsituation aufzeigen. Man könnte fast sagen, das Lied ist unser klanggewordenes schlechtes Gewissen, wunderbar visualisiert durch den starrenden, goldenen Mann im offiziellen Video.



Fangclubs Ritt auf dem Regenbogen ist düster

Mit „Kingdumb“ kommt nicht nur ein schönes Wortspiel in den Mix, sondern der Song öffnet auch die Schwere etwas, Cheerleader-Anfeuerung im Intro inklusive. „Heavy Handed“ übernimmt den Staffelstab sauber und treibt mit flottem Aufbau und fettem Refrain den Puls weiter an. Mit „All I Have“ liefern Fangclub gegen Ende hin einen verhältnismäßig leichtgängigen und kurzweiligen Pop-Song, der auch außerhalb dieses Albums problemlos funktionieren würde. „Black Rainbow“ bringt uns noch einen wunderschön inszenierten, fast schon sarkastisch klingenden, Refrain. Es regt Einen schon fast zum Schmunzeln an, wenn King nach dem robusten Aufbau in den luftig leichten, mit Akustik-Gitarren unterlegten Verträumter-Hippie-Refrain einsteigt. Ein herrlicher Kontrast zwischen Musik und Aussage.

„Over the black rainbow, wishing away – under the ground we go, remedy lane”

Am Ende von „Vulture Culture“ schließt sich ein Kreis. Sind die letzten Töne von „Slow“ ausgeklungen, weiß man nicht so recht, ob man nun glücklich ob des gelungenen Albums oder traurig, wegen der vielen Parallelen zu unserer realen Welt sein soll.

„Higher than high – lower than low – I’m going insane and nobody knows”

Fazit: Fangclub liefern eine musikalische Endzeit-Vision, die mitten in der Gegenwart liegt

„Vulture Culture“ funktioniert hervorragend als Ganzes, denn es erzählt uns – lyrisch, wie musikalisch – eine stimmige Geschichte, die düsterer nicht sein könnte. Die meisten Songs entfalten ihre ganze Strahlkraft allerdings wirklich erst im Kontext des gesamten Albums, deshalb ist ein Durchhören am Stück Pflicht. Mit einem erzählerischen Kniff gleich zu Beginn („Last Time“), eröffnen Fangclub ihr dystopisches Zeugnis unserer Gesellschaft auf schon fast geniale Weise. Am Ende schwankt man zwischen Freude über ein gelungenes Album und einer gewissen Zermürbtheit, welche der Genuss von „Vulture Culture“ unweigerlich mit sich bringt. Denn man macht sich schon so seine Gedanken, wenn man Steven King so zuhört…


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Fangclub demnächst auch live in Deutschland

Ende des Jahres gehen die Iren auf Europa-Tour und beehren uns unter anderem in München, Berlin und Hamburg:

Fangclub gehen bald auf Europa-Tour
Das offizielle Tour-Plakat von Fanglcub.

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Written by

Josef Erl

Musizierender Schreiberling aus den Tiefen eines von Landwirtschaft besetzten Niederbayerns. Umringt von Feldwegen und Gülle-Tanks, kämpft er für eine lokale Musikszene, die zwar nicht tot ist, doch langsam aber sicher aus ihrem wohlverdienten Schönheitsschlaf erwachen dürfte.

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