Samy Dii beim SPH Bandcontest in Regensburg

„Es ist so eine Mischung aus gesundem Narzissmus und histrionischen Zügen, die man einfach braucht, um sich auf eine Bühne zu stellen und das zu genießen“

Samy Dii ist nicht nur wieder so ein Typ mit Gitarre. Der ehemalige  Landshuter Straßenmusiker geht für alle Underdogs und Übersehenen ins Rennen und öffnet Türen, wo keine sind. Zusammen mit seinem engen Freund und Percussionist, Manolo, präsentiert er eine Mischung aus Folk und dem Grunge der Neunziger Jahre.

Wie bist du zur Musik gekommen?
Wie ziemlich alle aus meiner Generation wurde ich mit dem Grundschulbesuch erstmal zum Blockflöte spielen verdammt. Mit 17 habe ich dann die Musik der Manic Street Preachers entdeckt und die Alben „Generation Terrorists“ und „Gold Against the Soul“ waren für mich der ausschlaggebende Grund, eine Gitarre in die Hand zu nehmen und mir das alles beizubringen. Natürlich wollte ich Sologitarre spielen wie James Dean Bradfield. Aber mit der Zeit ging es dann doch eher Richtung Songwriting, Solokünstler sein und „Schrammeln“.
Wolltest du sofort auf die Bühne oder wie kam der Gedanke als Künstler aufzutreten zustande?
Das dürfte so im Herbst 2014 begonnen haben. Ein alter Freund von mir versuchte sich damals die Monatsmieten für unsere gemeinsame WG zusammenzuspielen. Er war aber gitarrentechnisch noch nicht so versiert und da ich mein Erststudium gerade frisch hingeschmissen hatte, unterstützte ich ihn dabei. So kam ich etwas unverhofft als Straßenmusiker zu meinen ersten Auftritten vor Publikum. Mir wurde aber schnell klar,  dass das Ziel die Bühne sein muss.
Die meisten Musiker versuchen sich erstmal als Teil einer Band. Wie kam es zu der Entscheidung als Solokünstler aufzutreten?
Ich habe schon immer für mich selbst geschrieben und um die Frage zu beantworten, warum ich keine feste Band hinter mir habe: Keine Ahnung. Wahrscheinlich war ich einfach zu faul, eine aufzumachen. Momentan bin ich gerne als Soloartist unterwegs und ich habe ja Manolo, der mich seit 2017 bei Liveauftritten unterstützt.

Seine ersten Sporen als Solokünstler verdiente sich Samy Dii als Straßenmusiker
Wie fühlte es sich an, zum ersten Mal als Solokünstler auf einer Bühne zu stehen?
Boah, war das krass! Auf der Bühne vor einem festen Publikum zu stehen ist nochmal was ganz anderes als auf der Straße vor Passanten. Ich weiß noch als ich unmittelbar vor dem Auftritt plötzlich einen Frosch im Hals hatte und mal eben eine Tasse Ingwertee auf ex in mich reinstopfte. Auf der Bühne war das dann so ein Zustand zwischen Erregung, Nervosität und Euphorie. Zu wissen, dass man jetzt liefern muss und ein gewisser Druck auf einem lastet, war schon schwer. Gerade als Solokünstler. Aber gleichzeitig wusste ich auch, dass das genau das ist, was ich immer wollte und sich die Arbeit gelohnt hat.
 
Du hast vorhin schon erwähnt, dass du alles selbst schreibst. Wie sieht
dein Songwriting-Prozess aus?
Ich brauche sehr viel Zeit und Reflexion, wenn ich schreibe. Für mich ist das vor allem ein Weg, Dinge zu verarbeiten. Meine Texte sind geprägt von kindlichen Sehnsüchten und Abgründen. Sie enthalten aber auch ein gewisses Maß an Integrität und Selbstironie, wie in „Martyr Without A Cause“. Ich schreibe auch gerne aus der „Underdog-Perspektive“, wie in den Songs „Shine“ oder „Life Within“, in denen ich mich an mein früheres Ich richte. Dann gibt es auch noch Songs, die von Personen inspiriert sind, welche ihren Fußabdruck in meinem Leben hinterlassen haben, wie in „Running Out Of Love“ oder „Valium Dreams“.
Was machst du neben der Musik?
Ich studiere Kinder- und Jugendhilfe an der FH in Landshut. Wenn ich gerade keine Musik mache, bin ich nebenher noch politisch engagiert, mache Sport, wenn auch zu wenig, und lese viel.
Was denkst du über die bayerische Musikszene?
Erwähnen möchte ich hier die großartigen Brain Your Damage aus Landshut, die Band meines Percussionisten Manolo! Psychedelic Rock aus der Urzeit! Ansonsten muss ich sagen, bin ich nicht groß über die Lokalszenen in Bayern informiert – von meiner Heimat mal ausgenommen. Aber es ist immer gut zu hören, wenn sich alternative Musikszenen auftun. Leider werden Räume für Kultur und Auftrittsgelegenheiten immer seltener. Da ist es auch Aufgabe der Politik oder selbsternannt alternativer Leute, diese Freiräume zu schaffen und zu verteidigen.
Im Laufe des Jahres will Samy Dii wieder ins Studio
Wie geht dein Abend nach einem Gig weiter? Aftershow-Party oder ruhiges
Ausklingenlassen?

Man muss irgendwie verarbeiten, dass man gerade für eine Stunde die Augen und Ohren der Menge auf sich gezogen hat und dann alles in die Normalität zurückgeht. Manchmal tue ich mich wirklich schwer damit umzugehen. Wenn der letzte Song gespielt, der letzte Applaus verstummt und das letzte Stück Equipment abgebaut ist, fällt so eine kleine Welt zusammen. Es ist so eine Mischung aus gesundem Narzissmus und histrionischen Zügen, die man einfach braucht, um sich auf eine Bühne zu stellen und das zu genießen. Je nachdem wie zufrieden ich mit mir selbst bin, lasse ich dann entweder alleine alles Revue passieren oder schließe mich einer geselligen Runde an.

  
Was versprichst du dir von der Teilnahme am SPH-Bandcontest?
Mit dem Auftritt feiere ich quasi in meinen 27. Geburtstag rein, heißt, es gäbe noch ein Jahr Zeit, meinen Platz in der Geschichte der Musik einzunehmen (Anm. d. Red.: „Club of 27“). Spaß beiseite: Ich verspreche mir Bühnenpraxis und hoffentlich ein paar mehr Leute, die ich von meiner Musik überzeugen kann. Aber hauptsächlich geht es mir um den Spaß an der Sache und im Optimalfall gehen alle teilnehmenden Bands in irgendeiner Form als Sieger und Siegerinnen nach Hause.
Was möchtest du der Welt da draußen mitteilen?

Ich würde das Interview gerne mit einem Songzitat beenden:

„So scream it all out, wear your scars with pride/
Your anger’s in the past, there’s nothing to hide/
Now there’s hell on your mind, lock your demons inside/
and shine.“

(Shine)



Alle, die am 16. Februar noch auf der Suche nach handgemachter Musik sind, sollten sich auf den Weg in den Underground der Alten Mälzerei in Regensburg machen. Die Landshuter Samy Dii und Manolo Brando möchten dort mit Konzertgitarre, Percussions und überzeugenden Texten in die nächste Runde des SPH Bandcontests einziehen.



Hier geht es direkt zur Veranstaltung des SPH Bandcontests in Regensburg.



Wer mehr über Samy Dii erfahren möchte, findet ihn unter folgenden Links:



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Written by

Josef Erl

Musizierender Schreiberling aus den Tiefen eines von Landwirtschaft besetzten Niederbayerns. Umringt von Feldwegen und Gülle-Tanks, kämpft er für eine lokale Musikszene, die zwar nicht tot ist, doch langsam aber sicher aus ihrem wohlverdienten Schönheitsschlaf erwachen dürfte.

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