HAUSERS im Interview | Der Zinn-Mann und der Wolf

Während die Musikindustrie weitestgehend auf die überlebensgroße Darstellung ihrer Künstler setzt, geht ein kleines italienisches Trio den entgegengesetzten Weg. HAUSERS nennt sich das Projekt dreier Mailänder Musiker, die ihre Egos hintanstellen und ihre Kunst auf eigenen Beinen laufen lassen wollen.

HAUSERS: Ein italienisches Trio der besonderen Art.

Hausers: Ein bildgewaltiges Projekt ohne Gesichter

Das Projekt HAUSERS ist keine handelsübliche Indie-Rock Band. Sie legen ihren Fokus voll auf die Kunst und schaffen so ein audiovisuelles Gesamtwerk, ohne sich dabei selbst in den Vordergrund zu drängen. Die Bandmitglieder bleiben anonym und treffen sich auch untereinander kaum. Ihr ganzes Schaffen entsteht online und vor den heimischen Computern. Wer die Social Media-Kanäle der Band verfolgt, merkt schnell, dass sich die Mailänder ein eigenes kleines Universum erschaffen, voll von buntem Artwork und skurrilen Charakteren. Dabei erzählen sie vor allem die Geschichte des „Tin-Faced-Man“, eines unschuldig naiven Mannes in speckigem Vertreter-Anzug und Zinn-Kopf. Den bisherigen Höhepunkt stellt dabei die Single „Tokyo“ und dessen bildgewaltiges Musikvideo dar.

Das Musikvideo zu HAUSERS erster Single „Tokyo“.

ROg | TheRockPopBlog hatte nun die Gelegenheit, mit einem der drei HAUSERS zu sprechen.

Was HAUSERS von anderen Bands unterscheidet

Wofür steht der Name „Hausers“?

HAUSERS: Wir wurden von Kaspar Hauser inspiriert, der Anfang des Neunzehnten Jahrhunderts behauptete in der völligen Isolation einer dunklen Kammer aufgewachsen zu sein. Wir kennen ihn aus dem Werner Herzog-Film („Jeder für sich und Gott gegen alle“; Anm. d. Red.).

Eine interessante Wahl, besonders, wenn man bedenkt, wie ihr als Band arbeitet.

HAUSERS: Der Zusammenhang zwischen „Haus“ und „Hausers“ war nicht beabsichtigt, aber trifft sich doch ganz gut (lacht). Wir alle haben unsere eigenen Erfahrungen in Live-Bands gemacht. Irgendwann hatten wir aber das Bedürfnis, Musik aus einem anderen Blickwinkel heraus zu erschaffen. Wir beschlossen unsere Ideen zu Hause auszuarbeiten, sie dann zu teilen und weiter daran zu arbeiten, ohne uns zu treffen. So konnten wir unserer Zusammenarbeit auch einen gewissen mysteriösen Aspekt verleihen.

Kann eine Band eine richtige Verbindung untereinander aufbauen, wenn sie sich nie sieht oder zusammen spielt?

HAUSERS: Ja, ich würde uns trotzdem als Einheit beschreiben, in der aber jeder Einzelne seine besonderen Fähigkeiten miteinfließen lässt. Wir haben einen Hauptkomponisten, der gleichzeitig „Mädchen für alles“ ist. Ein anderer ist das Gehirn hinter dem Projekt und ein weiterer das Herz, durch das Emotionen und Gefühle in die Songs einfließen. Wir haben auch noch eine vierte Komponente im Hintergrund, die aber vollständig geheim bleibt.

Und wie läuft das Songwriting dann konkret bei euch ab?

HAUSERS: Meistens schickt unser Hauptkomponist erste Ideen an uns. Danach arbeitet jeder von uns bei sich zu Hause daran weiter. Wir tauschen uns aus und feilen an den Songs, bis wir zufrieden sind. Da wir alle sehr kreativ sind, hatten wir gleich zu Beginn etwa ein Dutzend Songs und Ideen, an denen wir arbeiten konnten.

Auch viele andere Bands arbeiten online an ihren Songs. Wieso aber entscheidet man sich als Band zusammenzuarbeiten, ohne zu wissen, wer die anderen wirklich sind?

HAUSERS: In einer Musik-Industrie, die so egozentrisch und ichbezogen ist, haben wir uns für das genaue Gegenteil entschieden. Wir wollen nicht unsere Egos, sondern die Musik und die Kunst in den Vordergrund stellen. Deshalb verstecken wir unsere Identitäten hinter Masken, wie Fernseher, Zinn- oder Metallboxen, die wie Köpfe aussehen. So sind auch der „Tin-Faced-Man“ und seine Variationen entstanden.


HAUSERS Welt besteht aus skurrilen Charakteren

Du sprichst ihn gerade schon an, den „Tin-Faced-Man“. Aus wessen Feder stammt er?

HAUSERS: Unser Bassist hat ihn erschaffen und bald könnte er auch in einem Comic zu sehen sein. Einer unserer Freunde arbeitet schon daran.

Bislang ist er vor allem als „Star“ eures Videos zu „Tokyo“ bekannt. Worüber handelt seine Geschichte?

HAUSERS: Im Grunde geht es um den Umgang mit neuen und traditionellen Werten, und die Schwierigkeiten, welche die Menschen damit haben.

Welche Rolle spielt das Aufeinandertreffen mit dem Wolf?

HAUSERS: Wir alle nehmen den Wolf als wilde, instinktive Kreatur wahr und als Urbild für Freiheit. Damit wollten wir einen Kontrast erzeugen. Der Wolf, der nur instinktiv seinen Grundbedürfnissen folgt, im Gegensatz zu dieser Welt, die dir nur verspricht, all deine Bedürfnisse zu stillen.  

Im Abspann erfährt man, dass Matt Hutchings, ein bekannter Londoner Filmemacher, Regisseur des Videos ist. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

HAUSERS: Wir hatten einige Agenturen im Internet kontaktiert. Als wir mit Matt über einen Kurzfilm über den Zinn-Mann-Charakter sprachen passte es einfach. Ich denke, wir werden auch in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten.

Ihr arbeitet also schon an weiteren Projekten?

HAUSERS: Ja, wir bereiten gerade ein paar neue Singles vor, die wir ab September nach und nach veröffentlichen werden. Das nächste Video wird „LEO“ heißen, die Geschichte des Zinn-Mannes fortsetzen und weitere Charaktere dieses Universums einführen.


Der „Tin-Faced-Man“ erscheint bald auch als Comic-Strip.

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Written by

Josef Erl

Musizierender Schreiberling aus den Tiefen eines von Landwirtschaft besetzten Niederbayerns. Umringt von Feldwegen und Gülle-Tanks, kämpft er für eine lokale Musikszene, die zwar nicht tot ist, doch langsam aber sicher aus ihrem wohlverdienten Schönheitsschlaf erwachen dürfte.