Palehørse Neues Album Pale Horse

Palehørse im Interview | Die nicht ganz neuen Newcomer

Palehørse: Neuer Ansatz mit neuem (alten) Album

Am 4. April 2019 erschien das gleichnamige Debüt-Album der finnischen Metal-Band „Palehørse“. Sänger und Gitarrist, Lassi Mäki-Kala, nahm sich die Zeit und plauderte ein bisschen mit uns darüber.

Palehørse (v.l.n.r.): Drumer Samu Honko, Frontmann Lassi Mäki-Kala und Bassist Ville Siivonen.

Mit ihrem Debüt-Album, das eigentlich keines ist, legten die Newcomer, die eigentlich keine sind, einen gelungenen Neustart hin. „Palehørse“ nennt sich das gute Stück, wie die Band selbst, und begeistert Fans von Progressive Metal und Alternative Rock gleichermaßen. Als einer der spannendsten Acts Skandinaviens, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis sich die Finnen auch im restlichen Europa einen Namen gemacht haben.

Im Gespräch mit ROg | TheRockPopBlog erklärt Euch Mastermind, Lassi Mäki-Kala, wie es zur Neuausrichtung und dem Re-Release kam.

Die aktuelle Single: „Odious“

Palehørse: Ein nicht ganz neues Debüt-Album

Seid ihr mit den Verkaufszahlen Eures Debüts zufrieden?

Lassi: Ich habe echt keine Ahnung, wie viele es genau sind, aber jede einzelne verkaufte Platte ist heutzutage einfach großartig.

Mit welchen Erwartungen geht man in so ein Release?

Lassi: Wir erwarten keine Wunder. Man hofft einfach das Beste, bleibt aber realistisch. Also die Weltherrschaft streben wir noch nicht an (lacht). Unsere Hauptziele sind eine erfolgreiche Tour und ein Nachfolgealbum.

Ihr wart jahrelang als „Amendfoil“ bekannt. Warum die Namensänderung?

Lassi: Wir waren an einem Punkt angelangt, an dem es für uns viele Veränderungen gab. Also entschieden wir uns gleich für einen kompletten Neustart. Die Namensänderung war dann die logische Konsequenz.

Welche Veränderungen waren das?

Lassi: Zum einen kam da ein neuer Plattenvertrag um die Ecke. Zum anderen spielten wir über zehn Jahre lang als Quartett und sind nun nur noch zu dritt, da uns unser zweiter Lead-Gitarrist verlassen hatte (Juha-Matti Helmi; Anm. d. Red.).

Warum wolltet ihr keinen zweiten Gitarristen mehr ins Boot holen?

Lassi: Kurz nach dem Ausscheiden Juhas probierten wir einen Gig zu dritt und es fühlte sich gut an. Es gab irgendwie keine großen Probleme mit den Songs, wenn wir sie mit nur einer Gitarre spielten. Also entschieden wir uns gegen einen zweiten Gitarristen.

War die Wiederveröffentlichung des Amendfoil-Albums „Empyrean & Ophidian“ auch Teil dieses Neustarts?

Lassi: Das Label war von diesem Album begeistert und wollte die Songs mit einem neuen Ansatz noch mal veröffentlichen. Wir dachten auch, dass sich die Platte nicht so „böse“ anhörte, wie sie es eigentlich sollte.

Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Releases?

Lassi: Es wurde neu gemixt und die Anordnung der Songs macht jetzt einfach mehr Sinn. Die Grundstimmung ist rauer und näher am Zuhörer. Und wir haben uns entschieden, den Song „Silver Linings“ zu streichen.

Wieso das?

Lassi: Er war der falsche Schluss-Song für das Album und passte einfach nicht mehr zum Rest. Mit „Silver Linings“ war der Gesamteindruck des Albums unausgewogen.

Palehørse: Zwischen Rock, Metal und Disney-Balladen

Sänger und Lead-Gitarrist, Lassi Mäki-Kala (Mitte), zeichnet auch das Artwork für die Band.

Wie würdest du euren Sound beschreiben?

Lassi: Es ist einfach nur Metal und Rock und alles, was diese beiden Genres in sich vereinen. Die nächste Scheibe könnte ein Black Metal-Album werden oder voll mit Disney-Balladen (lacht). Wir versuchen, uns immer alle Möglichkeiten offen zu halten, wenn wir schreiben.

Wenn ihr müsstet, in welche Genre-Schublade würdest du euch packen?

Lassi: Das würde ich lieber lassen. Ich bin froh, dass sich die Leute noch keine großen Gedanken darüber machen, wie sie uns bezeichnen sollen. Ohne Genre-Label schlafe ich einfach besser (lacht). Für mich ist „Heavy-Music“ schon immer ein Synonym für die Freiheit des Ausdrucks. Ich habe mich noch nie darum gerissen, irgendeinem Genre oder einer Szene anzugehören.

Du hast vorhin bereits das Songwriting angesprochen. Wie sieht das bei euch aus?

Lassi: Ich komme meistens mit ein paar Riffs und melodischen Parts zu den Proben. Samu (Drummer; Anm. d. Red.) und ich fummeln dann daran herum und suchen nach den richtigen Drum-Parts. Wir wollen immer möglichst schnell ein Arbeitsgerüst aufstellen, an dem wir später die Feinheiten ausarbeiten können.

Was beeinflusst dich beim Schreiben?

Lassi: Sämtliche Unterhaltungsmedien, wie Filme, Serien oder Videospiele.  Aber natürlich auch das Leben selbst. Es sind die Dinge, die mich gerade beschäftigen. Ich glaube nicht, dass ich Geschichten über Drachen und Hexenmeister schreiben könnte. Auch wenn das der Wahnsinn wäre (lacht).

Hattest du jemals Gesangsstunden?

Lassi: Ich hatte mal ein paar Stunden und würde auch gerne wieder ein paar nehmen, naja, ich sollte wohl eher noch ein paar nehmen (lacht). Mein Gesangsstil ist sehr natürlich für mich. Ich schreie nicht um des Schreiens Willen. Aber manche Sachen müssen einfach gebrüllt werden (lacht).

Kam es schon vor, dass dir deine Stimme Probleme machte?

Lassi: Früher habe ich sie öfter mal verloren. Kein Aufwärmen, viel Alkohol, beschissener Fraß und wenig Schlaf sind das perfekte Rezept für die Zerstörung (lacht). Mittlerweile habe ich keine Probleme mehr. Zumindest solange ich auf diese Dinge achte.

Was ist dein Rezept zur Erholung?

Lassi: Ruhe und Schlaf.

Was oft schwierig sein kann, wenn man viel unterwegs ist. Magst du das Touren oder ist es eher ein notwendiges Übel?

Lassi: Unsere bisherigen Touren waren großartig. Wir haben tolle Menschen getroffen und haben viele schöne Erinnerungen. Aber wir haben bisher keine sehr langen Touren gemacht. Also kann sich meine Meinung darüber ja noch ändern (lacht).

Hast du zum Abschluss ein paar schmutzige Anekdoten vom Tour-Leben für uns?

Lassi: Klar, hab‘ ich die. Aber ich sollte sie besser für mich behalten (lacht).


ROg | TheRockPopBlog


Das Cover der aktuellen Single „Odious“.

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Written by

Josef Erl

Musizierender Schreiberling aus den Tiefen eines von Landwirtschaft besetzten Niederbayerns. Umringt von Feldwegen und Gülle-Tanks, kämpft er für eine lokale Musikszene, die zwar nicht tot ist, doch langsam aber sicher aus ihrem wohlverdienten Schönheitsschlaf erwachen dürfte.