Rock in der Villa | Interview

Christian Fellinger und Sigi Zerrath im Gespräch mit ROg | TheRockPopBlog

Das Jugendzentrum „Poschinger Villa“ fördert seit 1992 junge Musiker aus Landshut und Umgebung. Alle zwei Jahre findet dort der dreitägige Musikwettbewerb „Rock in der Villa“ statt. Mit einem starken Team und den richtigen Preisen, hilft man jungen Bands den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu gehen. Ein Gespräch mit Siegmar Zerrath und Christian Fellinger vom „JUZ“ Poschinger Villa, über den stetigen Wandel der Landshuter Musikszene und die nachhaltige Förderung junger Musiker.

Christian Fellinger (1.v.l.) und Siegmar Zerrath (2.v.r.) mit ihren Team- Kolleginnen vom JUZ Poschinger Villa.

Was verbindet dich mit dem Bandcontest „Rock in der Villa“?

Christian Fellinger Zum einen richten wir ihn gemeinsam mit dem Landkreis aus und zum anderen war ich selbst auch mal Teilnehmer. Neunzehnhundertneunundneunzig (schmunzelt).

Also quasi ein „Millenial“ des Rock in der Villa-Contests?

Christian Fellinger: So in etwa, ja.

Siggi Zerrath: Er hatte ihn sogar gewonnen und kam in den Genuss der Preise.

Was hat euch als Band dieser Sieg damals gebracht?

Christian Fellinger: Das war für uns (Anm. der Red.: „Hard Attack“ siehe Bandlink unten) schon ein richtiger „Stepping Stone“. Man darf nicht vergessen, dass das mittlerweile zwanzig Jahre her ist und das einfach eine andere Zeit war. Damals war es nicht leicht an tolle Aufnahmen zu kommen, mit denen man sich dann bei Veranstaltern hätte bewerben können. Vor allem wenn man mal aus der Heimatstadt oder gar dem Heimatland raus wollte.

Ihr wart also auch außerhalb Deutschlands unterwegs?

Christian Fellinger: Genau. Nach deutschlandweiten Konzerten, ging es für uns nach Österreich, in die Schweiz und letzten Endes hatten wir sogar die Möglichkeit, auf eine ausgiebige Tour durch Polen zu gehen. Das waren alles Sachen, die sich auf den Gewinn bei „Rock in der Villa“ aufbauen ließen.

Die Preise ebnen also den Weg für den nächsten Schritt einer jungen Band. Aber sind Aufnahmen in einem Tonstudio heutzutage noch so wichtig? Stichwort: Homerecording…

Christian Fellinger: Wenn man sich speziell diesen Bestandteil unseres Pakets ansieht, dann ist er vielleicht noch wichtiger geworden als früher. Beim Homerecording sitzt du in deiner eigenen Filterblase. Im Studio hast du aber plötzlich jemanden neben dir sitzen, der seit zwanzig, dreißig Jahren in diesem Business ist. Der die nötige Erfahrung hat und beim Produzieren auch mal seinen Senf dazu gibt. Die Technologie ist natürlich fortgeschritten, aber sie braucht auch Leute, die das Ganze mit Leben und Geist füllen.

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Darum geht es bei Rock in der Villa:

Jeder Tagessieger gewinnt

  •  6 Tage Audio-Aufnahmen inkl. Mastering
     im „Jolanda-Studio“ Ostergaden
  •  Ein professionelles Foto-Shooting mit Alex Testov 
  •  Individuelles Band-Coaching im eigenen Übungsraum mit Eric Kisser
  •  Ein Auftritt auf der Sieger-Release-Party im Rocket-Club im Frühjahr 2020 

Es geht also mehr um das Lernen, als um das bloße Gewinnen von Preisen?

Christian Fellinger: So ist es. Mit der Entwicklung dieses Contests hatten schon immer Leute zu tun, die jungen Bands das nötige Know How vermitteln können. Das ist sehr hilfreich für die Musiker, damit sie nicht gleich zu Beginn ihrer Karriere über die eigenen Füße stolpern.

Wie sieht diese Hilfestellung aus?

Christian Fellinger: Neben den Aufnahmen im Tonstudio ist unser Bandcoaching integraler Bestandteil des Siegerpakets. Hier bekommen die Musiker auch mal professionelles Feedback. Man zeigt ihnen wo es gut läuft und wo vielleicht noch Verbesserungspotential liegt. Auch abseits der Musik.

Siggi Zerrath: Unser Hauptziel ist es eben zu coachen. Der Contest ist kein Weihnachtsfest, auf dem wir alle beschenken, sondern die Bands sollen hier etwas lernen. Auch wenn sich viele junge Bands im Nachhinein wieder auflösen, nehmen sie hier viel mit. Das ist auch unser Ansatz hier im Haus. Wir arbeiten viel mit Musikern und Kreativen zusammen, haben Bandübungsräume und auch ein kleines Digital-Studio für unsere jungen Rapper.

Man hört immer wieder von der Diskussion „Rock is dead“. Bemerkt ihr eine Entwicklung weg von Gitarrenmusik hin zu anderen Genres, wie Rap und Hip-Hop?

Siggi Zerrath: Nein, das war ein Mal. Wir hatten vor etwa zehn Jahren eine Phase, in der war Hip-Hop sehr populär. Es wurde viel gerappt hier im Haus und es waren auch gute Leute dabei. Die sind hier richtig gewachsen und entwickelten das vom Freizeitblödeln zum richtig engagierten Rappen. Momentan ist da aber etwas die Luft raus. Der „Gangster-Rap“ ist auch irgendwann ausgelutscht und jetzt muss man sehen, was da Neues kommt. Metal-Bands gibt es momentan auch keine mehr in dieser Altersklasse, haben wir festgestellt.

Christian Fellinger: Das stimmt. Die zweite Hälfte der letzten und die erste Hälfte der jetzigen Dekade war schon sehr geprägt von Metal, Metal-Core, Death-Core und diesen Sachen. Es gab ein paar Vorreiter und dann kamen viele „Nachahmer“, sag ich mal. Aber davon ist nicht mehr viel übriggeblieben. So kommt der diesjährige Contest erstaunlich „metal-frei“ daher. 

Wohin geht der musikalische Trend in Landshut?

Christian Fellinger: Es geht wieder mehr in die klassische Rock-Richtung. Man kann eine Art Rückbesinnung auf die Wurzeln beobachten.

Abgesehen vom Wandel innerhalb der Genres, wie seht ihr die Entwicklung in Sachen Live-Kultur im Allgemeinen?

Siggi Zerrath: Die Leute wissen das analoge Teilnehmen an einem Live-Konzert heute nicht mehr so zu schätzen wie früher. Vielleicht wurde auch einfach mehr und mehr vergessen, was Live-Musik wirklich ausmacht.

Christian Fellinger: Man stellt auch eine Entwicklung fest, dass einfach nicht mehr so viel Live-Musik gemacht wird.

Ist das auch für euch als alteingesessener Wettbewerb spürbar?

Christian Fellinger: Klar, das merken auch die Contests. Es gibt zwar teilweise immer mehr Wettbewerbe, aber es sind einfach nicht mehr so viele Bands da. Deshalb geht man manchmal mit der Quantität ein bisschen runter, um dem Publikum dafür einfach mehr Qualität bieten zu können.

Siggi Zerrath: Der erste Einbruch war so um die Jahrtausendwende. Da sind wir dann von vier Tagen à vier Bands, auf drei Tage à drei Bands runter gegangen, weil einfach die Bewerbungen nicht mehr so da waren. Besonders im Nachwuchsbereich war da einfach die Luft raus. Mit den Bands ging es zwar wieder aufwärts, aber wir sind beim Drei-Tages-Konzept geblieben. Einfach auch um den quantitativen Schwankungen entgegen zu wirken.

Wieso findet der Wettbewerb nur alle zwei Jahre statt?

Siggi Zerrath:  Diese Regel haben wir gemacht, damit das Ganze nicht so „inzuchtmäßig“ wird. Weil wir festgestellt haben, dass ein Zweijahreszyklus der Szene eher die Chance gibt, sich zu regenerieren und neu aufzustellen. Jährlich würde sich die Sache schnell totlaufen.

Wie stellt sich eure Jury auf?

Siggi Zerrath: Pro Tag gibt es drei Jury-Mitglieder, also insgesamt neun. Das sind Musiker, Veranstalter oder Presseleute. Es muss auf jeden Fall Kompetenz da sein und eine gute Mischung aus Jung und Alt. Durch die wechselnden Juroren und dem Aufteilen der Stimmen auf Publikum und Jury, haben wir auch einen sehr fairen und transparenten Modus. Der hat sich jetzt seit Jahren bewährt und das bloße herein kutschieren von Leuten für das Voting reicht so nicht. 

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Der Modus von Rock in der Villa kurz erklärt:

Es gibt insgesamt 5 Stimmen pro Abend, die sich aus 3 Jurorenstimmen und 2 Publikumsstimmen zusammensetzen (P1 und P2, d.h. die meisten und zweitmeisten Stimmen der Fans). Bei einem Patt entscheidet die Gunst des Publikums, das heißt, es gibt immer einen Tagessieger


Am ersten Tag spielten dieses Jahr „Black Jamber“, „Hallimasch“ und „Keep It Close“. Letztere galten insgeheim als Favoriten, trotzdem haben sich „Hallimasch“ durchgesetzt. Macht es einem die hohe Qualität oft etwas schwer?

Siggi Zerrath: Entscheidungen auf diesem Niveau sind immer etwas schwierig. Es waren sehr gute Bands in der Wertung und die Jury hat sich echt schwer getan. Aber irgendwie musst du es ja entscheiden und dann kommt es eben auf Nuancen an oder ist irgendwo auch Geschmackssache.

Ein Kopf an Kopf-Rennen also. War es für „Black Jamber“ dieses Jahr einfach noch zu früh?

Siggi Zerrath: Black Jamber waren sehr gut, aber noch nicht so weit wie die anderen beiden Bands. Dramaturgisch gesehen, war ihr Auftritt aber sogar mit der Stärkste. Sie haben innerhalb ihres Sets eine tolle Steigerung hingelegt. Das haben die Juroren sehr positiv gewertet und daran kamen auch die anderen beiden nicht heran.

Christian Fellinger: Und das als erste Band des Abends, muss man sagen. Sie haben einfach einen guten Job gemacht, das Publikum auf ihre Seite zu bringen.

Sprich auch Dinge, wie der Umgang mit dem vermeintlich schwierigsten ersten Startplatz, fallen in die Jury-Wertung mit ein?

Siggi Zerrath: Ja, ganz klar. Es ist auch gerade das mit den Favoriten, was uns immer so überrascht. Es gibt Bands, bei denen hast du schon in der Vorauswahl das Gefühl, dass die das Ding gewinnen. Die stehen dann auch auf der Bühne da, wie die Einser. Aber dann kommen da manchmal Bands… Wir hatten das schon ein paar Mal erlebt. Die spielen da ihren zweiten Gig überhaupt und bringen den Saal so zum Kochen, dass es gar keinen Weg an ihnen vorbei gibt. Es ist eben auch tagesformabhängig und dadurch eine offene Geschichte. Das ist das Schöne daran und diese Spannung macht einfach Spaß.

Christian Fellinger: Wir haben auch immer mal wieder Rückkehrer dabei. Leute, die es beim ersten Mal nicht geschafft haben, aber trotzdem Blut geleckt haben. Die sagen sich dann zwei Jahre später: „Jetzt wollen wir es nochmal wissen“.

Ihr macht also keinen Cut und sagt eine Teilnahme pro Band reicht?

Siggi Zerrath: Nein, nur die Sieger dürfen nicht mehr mitmachen. Alle anderen schon, solange sie noch in den erlaubten Altersschnitt reinfallen und auch weiterhin ihren Wohnsitz im Landkreis haben. Find ich zwar etwas streng, aber irgendwo musst du ja eine Grenze ziehen und es soll ja auch ein Stückweit heimabtbezogen bleiben.

Verfolgt Ihr den Werdegang eurer Siegerbands auch weiter?

Christian Fellinger: So ein Erfolg ist ja auch immer irgendwie ein Einschnitt in der Bandkarriere. Eine Art Zäsur, bei der sich dann manche Leute die Frage stellen, ob sie diesen Weg überhaupt weitergehen wollen. Bei uns damals war es zum Beispiel so, dass unser Bassist sagte: „Es war super das erreicht zu haben, aber von nun an möchte ich einen anderen musikalischen Weg gehen und mach euch den Weg frei.“ Wir haben uns dann neu aufgestellt und mit dem Gewinn richtig durchstarten können. Es ist also schon immer interessant zu beobachten, wo der Weg der Bands hinführt. Größere Clubs, vielleicht sogar Festivals?


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Links zu Christian Fellingers Band „Hard Attack“:

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Written by

Josef Erl

Musizierender Schreiberling aus den Tiefen eines von Landwirtschaft besetzten Niederbayerns. Umringt von Feldwegen und Gülle-Tanks, kämpft er für eine lokale Musikszene, die zwar nicht tot ist, doch langsam aber sicher aus ihrem wohlverdienten Schönheitsschlaf erwachen dürfte.

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